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Kursbeschickung: von der Kartenlinie zum Steuerkurs

NauticCalc auf dem iPhone — passend zum Thema dieses Artikels.

NauticCalc App-Screenshot

Die Kursbeschickung macht aus der Linie auf der Seekarte einen Kurs, den du am Kompass steuern kannst. Bei der Planung rechnest du dafür rückwärts: Du startest beim Kurs über Grund (KüG), rechnest zuerst Strom und Wind heraus und kommst über Missweisung und Ablenkung zum Magnetkompasskurs (MgK), deinem Steuerkurs. Diese Anleitung geht die Kette Schritt für Schritt in NauticCalc durch. NauticCalc zeigt dabei die ganze Kurskette — MgK, mwK, rwK, KdW und KüG — statt nur das Ergebnis.

Voraussetzungen

  • KüG der Etappe: die Kurslinie auf der Seekarte
  • Strom (Setzung und Drift) und Windabdrift, falls sie wirken
  • Missweisung für die Position (Missweisung)
  • Gepflegte Deviations-Tabelle für dein Boot

Schritt 1: KüG eintragen

Öffne Kursbeschickung, wähle die Rückwärts-Rechnung und übernimm den Kurs der Etappe von der Seekarte. Prüfe kurz, ob er zur geplanten Linie passt – ein vertauschter Wegpunkt fällt hier am leichtesten auf.

Schritt 2: Strom herausrechnen

Ermittle aus Setzung und Drift die Strombeschickung (BS) – mit dem Stromdreieck im Rechner Strombeschickung – und trage den Winkel ein. Daraus ergibt sich der Kurs durchs Wasser (KdW), den du laufen musst, damit du trotz Strom auf der Linie bleibst. Hintergrund: Stromdreieck.

Schritt 3: Windabdrift herausrechnen

Trage die Abdrift ein. Aus dem KdW wird der rechtweisende Kurs (rwK). Achte auf die Seite: Kommt der Wind von Steuerbord, versetzt er dich nach Backbord – du musst also weiter nach Steuerbord vorhalten. Liegt die Wind- oder Strombeschickung über 45°, meldet sich die App mit einem Hinweis — meist steckt dann ein Versatzwinkel dahinter, der für einen anderen Kurs gerechnet wurde. Bis zur App-Version 1.7.1 brachte NauticCalc die Windbeschickung auf die falsche Seite an; seit 1.8.0 stimmt sie. Kurse, die du mit einer älteren Version gerechnet hast, solltest du noch einmal prüfen.

Kennst du die Abdrift nicht, rechnet sie der eigene Rechner Windbeschickung aus: Windstärke in Beaufort oder Knoten, dazu der Kurs zum Wind — am Wind, halber Wind oder raumer Wind, jeweils für die Seite, von der es bläst.

Schritt 4: Missweisung anwenden

Die Missweisung für deine Position übernimmt die App aus dem World Magnetic Model 2025, oder du trägst den Wert aus der Seekarte ein. Aus dem rwK wird der missweisende Kurs (mwK). Faustregel: Ost ab, West auf. Das Vorzeichen ist die häufigste Fehlerquelle der ganzen Kette.

Schritt 5: Ablenkung anbringen

Nimm den Wert aus deiner Deviations-Tabelle. Aus dem mwK wird der Magnetkompasskurs (MgK) – der Kurs, den du am Bordkompass steuerst. Seit App-Version 1.9.0 trägst du die Ablenkung als Vorzeichen ein, nicht mehr als Ost oder West; Ost und West stehen nur noch bei der Missweisung.

Schritt 6: Auf See prüfen

Kontrolliere unterwegs grob per GPS, ob du auf der Linie bleibst. Weicht die Fahrt ab, passe die Schätzung für Strom und Wind an, statt „blind“ weiterzusteuern. Die ganze Kette funktioniert auch offline.

Typische Fehler

  • Wind und Strom erst nach Missweisung und Ablenkung angebracht – sie gehören zwischen KüG und rwK
  • Vorzeichen bei Missweisung oder Ablenkung falsch angesetzt
  • Beim Rückwärtsrechnen die Vorzeichen nicht umgedreht
  • Missweisung und Ablenkung in einen Topf geworfen

Zwei vollständig durchgerechnete Aufgaben, vorwärts und rückwärts, findest du im Blogartikel.

Weiterlesen: Blog: Kursbeschickung Schritt für Schritt · Strombeschickung